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Am Fraunhofer IZI entwickeltes neuartiges Antibiotikum zur Parodontitisbehandlung gewinnt Gesamtsieg beim IQ Innovationspreis Mitteldeutschland

Mit der PerioTrap Pharmaceuticals GmbH, einer Ausgründung aus dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI, wurde am 25. Juni 2020 eine Fraunhofer-Entwicklung mit dem Cluster- und Gesamtsieg beim IQ Innovationspreis Mitteldeutschland prämiert. Ausgezeichnet wurde ein neuartiges, lokal anzuwendendes Antibiotikum zur Behandlung von Parodontitis.

Mit dem IQ Innovationspreis Mitteldeutschland fördert die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland neuartige, marktfähige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen zur Steigerung von Innovation und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft der Region. Insgesamt 136 Bewerbungen waren in diesem Jahr für den Preis eingegangen, 29 davon im Cluster Life Sciences, für das auch die PerioTrap Pharmaceuticals angetreten war. Diese darf sich nun über insgesamt 22 500 Euro an Preisgeld freuen. Zum einen den von der IHK Halle‐Dessau, der IHK Ostthüringen zu Gera und der IHK zu Leipzig gestifteten Hauptpreis in Höhe von 15 000 Euro sowie zum anderen über den mit 7 500 Euro dotierten Clusterpreis Life Sciences, der gemeinschaftlich von der Serumwerk Bernburg AG und der KPMG AG gestiftet wurde.

Prämiert wurde das von der Fraunhofer IZI-Abteilung Molekulare Wirkstoffbiochemie und Therapieentwicklung sowie Partnern an Universitäten in Halle (Saale), Krakau und Bern und dem Fraunhofer IMWS generierte neuartige Prinzip eines Antibiotikums zur Behandlung von Parodontitis, das über die Ausgründung PerioTrap weiterentwickelt und verwertet wird. Neu ist bei dem entwickelten Wirkstoff u.a. die vorgesehene lokale und bioabbaubare Anwendung. »Mit unserer Innovation werden spezifisch nur die Parodontitiskeime zerstört und der physiologische Biofilm im Mundraum ließe sich erhalten«, so PD Dr. Stephan Schilling, der die in Halle (Saale) ansässige Abteilung leitet.

Derzeit wird Parodontitis noch durch manuelle Entfernung des Biofilms und tägliches Desinfizieren mit Mundwasser behandelt, was den kompletten Biofilm zerstört und eine rasche Neubesiedlung durch Krankheitserreger begünstig. In schweren Fällen kommen aktuell Breitspektrumantibiotika in Tablettenform zum Einsatz. Eine lokale Anwendung wie sie die Neuentwicklung aus dem Fraunhofer IZI verspricht, würde stattdessen sicherstellen, dass der Organismus insgesamt nur sehr gering mit Antibiotika belastet wird. Der patentierte Wirkstoff wurde bislang erfolgreich in Zellkulturmodellen getestet. Im nächsten Schritt sollen Sicherheit und Wirksamkeit des Antibiotikums im Tier getestet werden, bevor es anschließend in klinischen Prüfungen bei ersten Patientinnen und Patienten zum Einsatz kommen kann.

Diese Entwicklung zu einem marktfähigen Produkt übernimmt nun die PerioTrap Pharmaceuticals in den nächsten Jahren. »Wir hoffen dabei in sechs bis acht Jahren mit unserem Produkt am Markt zu sein und den Patientinnen und Patienten damit eine echte Alternative zur bestehenden Therapie bieten zu können«, sagt Dr. Mirko Buchholz, neben Pierre Tangermann einer der beiden Geschäftsführer des jungen Biotech-Unternehmens aus Halle (Saale).

Bei derzeit über 11 Millionen parodontalen Erkrankungen allein in Deutschland bedarf es dringend neuer Therapiestrategien und Wirkstoffe. Nicht nur, dass die durch Bakterien verursachte Entzündung des Zahnfleischs, zur Zerstörung des Zahnhalteapparats bis hin zum Zahnverlust führen kann, darüber hinaus ist die bakterielle Infektion mit verschiedenen systemischen Erkrankungen assoziiert. Beispielsweise steigt das Risiko an Diabetes zu erkranken um das Elffache, das Schlaganfallrisiko erhöht sich um das Siebenfache. Selbst mit dem Ausbruch von Alzheimer wird Parodontitis in Verbindung gebracht. Ein lokal anzuwendendes Antibiotikum, das gezielt die relevanten Parodontitiskeime zerstört und den physiologischen Biofilm im Mundraum schützt, ist hier eine sinnvolle Therapieverbesserung.

 

Partner
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg | www.uni-halle.de
Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS | www.imws.fraunhofer.de
Jagiellonian University, Krakau, Polen | www.en.uj.edu.pl
Universität Bern, Schweiz | www.unibe.ch

Quelle: Presseinformation des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie vom 26.06.2020

 


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